03. September 2026
von Dini
Ich bin verdammt wütend. Es brodelt eigentlich die ganze Zeit in mir. Dabei richtet sich diese Wut gar nicht gegen bestimmte Personen. Auf was genau, weiß ich auch nicht wirklich. Vielleicht ist das auch gar nicht wichtig. 
Wichtig ist, was ich mit dieser Wut mache. Wie ich sie kanalisiere und für mich nutzen kann. 
Mein Leben ist schon sehr lange von Zwängen bestimmt, die mir durch andere auferlegt wurden. Jetzt bin ich langsam auf dem Weg, diese Zwänge und die damit verbundene Scham zu überwinden. 
Dazu gehört auch, Muster zu erkennen, die sich unbemerkt eingeschlichen haben. Gedanken, die mein Handeln beeinflussen ausfindig machen. 
Mein Ziel ist es, irgendwann frei von Scham und Angst zu sein. Keine Ahnung, ob sich das wirklich umsetzen lässt. Aber ich ertrage diese Scham nicht mehr. Ich selbst zu sein, Raum einzunehmen, wahrgenommen zu werden. Das macht mich wütend. 
Es ist eine ohnmächtige Wut, die mich in Momenten überkommt, in denen sie nicht wirkt. Wenn ich Artikel von und über Frauen lese, in denen über sexuelle Gewalt berichtet wird. Meistens über Frauen, nicht von Frauen. Wenn ich Bücher lese, in denen niedergeschrieben wurde, wie viel Unrecht Frauen ertragen mussten und immer noch tun. 
Die Wut schlägt schnell in Verzweiflung um, in Machtlosigkeit. Das Gefühl der vollkommenen Hilflosigkeit gegenüber der Ungerechtigkeit. Und hin und wieder flammt auch die Wut über meine persönlichen Erlebnisse auf. 
Wie wenig Schamgefühl doch Täter haben, während ich davon erfüllt bin. Wie wenig Gedanken sich Männer machen, während ich mir so viele mache, dass sie kaum greifbar sind. 
Ungerecht. Unfair. 
In solchen Momenten sitze ich einfach da, starre in die Luft, während meine Gedanken wie ein Fluss an mir vorbeiziehen. Mitreißend, obwohl ich im Trockenen sitze. Ich lasse sie passieren, schnappe hin und wieder einen Gedanken auf, der durch die Gischt auf mich geworfen wird. Es sind Gedanken voller Traurigkeit, voll Wut, ohne Lösung. 
Das klingt alles vermutlich sehr depressiv, ist aber nicht schlimm. Ich bin auch depressiv. Ich bin mir bewusst über die Auswirkungen, die ein solcher Gedankenstrom verursachen kann. Inzwischen stehe ich sicher auf der Brücke, die ich mir darüber gebaut habe. Das war lange Zeit nicht so. 
Meine Wut zu besänftigen in dem ich Worte aufschreibe. Diese hier. Das ist das, was ich mit meiner Wut machen kann. Es bringt nichts, sie für mich zu behalten. Ich habe das Bedürfnis, sie in die Welt zu schreien. 
Trotz meiner Angst, wahrgenommen zu werden, stelle ich mich hiermit genau dieser. Ich stelle mich den Augen fremder Menschen, die urteilen, ohne die Kontrolle, ihr Bild von mir auszubessern. Ich bin einfach. 
Ich habe keinen Plan, wie diese Blogbeiträge aussehen werden, wie häufig ich schreibe, welchen Umfang sie haben. Das gibt mir etwas Freiheit. Ohne Druck, so, wie es sich für mich richtig anfühlt. 
Und damit ist das mein erstes Fazit, dass ich ziehen kann: 
Ich habe mit dem Schreiben von Blogtexten einen Weg gefunden, meine Wut zu besänftigen. Mit dem Schreiben allgemein, auch in mein Journal. 
Schreiben hilft mir, meine Gedanken zu sortieren. 
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